100 Fragen rund um die Schwangerschaft

Dr. med. Brigitte Holzgreve (Chefredaktion)

Vor der Schwangerschaft

01 Kann man trotz Blutung schwanger sein?

Etwa zehn Tage nach der erfolgreichen Befruchtung hat der Zellhaufen, der in neun Monaten als Baby geboren werden wird, seine Einnistung (Implantation) in die Gebärmutterschleimhaut abgeschlossen. Vielleicht ist es bei diesem "Eingraben" zur Verletzung mütterlicher Blutgefäße im Uterus gekommen. Sie kann manchmal so stark sein, dass eine Blutung aus der Scheide wahrgenommen wird. Man nennt dies Nidations- oder Einnistungsblutung. Sie besteht oft nur aus Tropfen oder Schlieren, die Farbe ist eher hellrot als braun. Wichtig: Sie wird in den nächsten Tagen nicht stärker, wie das bei einer normalen Menstruation zu erwarten wäre. Die Einnistungsblutung kann durchaus mit einer Periodenblutung verwechselt werden, wenn sie auch meist leichter ist und etwas früher stattfindet. Auf jeden Fall kann sie zu einer rechnerisch falschen Bestimmung des Schwangerschaftsalters führen die Schwangerschaft ist dann beim nächsten Ausbleiben der Regelblutung schon drei bis vier Wochen weiter als angenommen. Dies lässt sich aber spätestens bei der ersten Ultraschalluntersuchung ganz genau feststellen.

02 Stimmt es, dass die Fruchtbarkeit der Frau allmählich nachlässt?

Ja, das Alter der Frau spielt eine wesentliche Rolle bei der Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden. Die Chance, dass es innerhalb eines Zyklus "einschlägt", lässt mit zunehmendem Alter drastisch nach. Bei 20-bis 25-Jährigen beträgt sie noch 30% pro Zyklus. Das heißt, innerhalb eines Jahres werden von diesen jungen Frauen 80%, nach einem weiteren halben Jahr nochmals 10% schwanger. Die höchste Fruchtbarkeitsrate wird statistisch gesehen mit 27 Jahren erreicht. Spätestens ab 35 verschlechtert sich die Chance mit jedem Jahr dramatisch. Sie beträgt bei einer Frau über 40 nur noch 10% im Jahr, nach dem 45. Lebensjahr sogar nur noch 2 bis 3%. Bei Frauen ab 30 Jahren hat übrigens auch das Alter des Partners einen Einfluss auf die Fruchtbarkeit. Ist er mehr als fünf Jahre älter als sie, ist die Chance auf eine Schwangerschaft schon wesentlich reduziert. Der Grund: Auch beim Mann nimmt der Anteil der weniger beweglichen Spermien mit seinem Alter zu.

03 Was können wir selbst tun, um optimale Voraussetzungen für eine Schwangerschaft zu schaffen?

Der mütterliche Körper wird Umwelt und Schutzraum des zukünftigen Kindes sein. Ihre Lebensgewohnheiten, Ihre Ernährung, Ihre seelische und körperliche Gesundheit sind von großem Einfluss auf die gesunde und ungestörte Entwicklung des Babys. Die wichtigsten Empfehlungen:
- Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, Ihrer Ärztin über Ihren Kinderwunsch.
- Hören Sie auf zu rauchen und trinken Sie weniger Alkohol.
- Achten Sie auf Ihr Gewicht und ernähren Sie sich gesund.
- Nehmen Sie ein Folsäure-/Folatpräparat ein.
- Halten Sie sich körperlich fit.
- Vereinbaren Sie einen Zahnarzttermin.
- Vermeiden Sie Umweltgifte, wo es geht.
- In bestimmten Fällen kann eine humangenetische Beratung sinnvoll sein.

04 Wie lange ist die Eizelle befruchtungsfähig?

Beim Eisprung, der Ovulation, platzt ein reifer Follikel im Eierstock. Ob dies am linken oder rechten Eierstock geschieht, ist völlig zufällig und keineswegs immer abwechselnd. Eine oder mehrere Eizellen werden dann vom trichterförmigen Ende des Eileiters, der sich über den Eierstock stülpt, aufgefangen. Noch dort, am äußeren Ende des Eileiters, treffen die innerhalb von ca. zwei Stunden durch Scheide und Gebärmutter aufgestiegenen Samenzellen auf die befruchtungsfähige Eizelle. Im Idealfall durchdringt ein Spermium die Eihülle, und die Erbanlagen von Mann und Frau verschmelzen. Die Eizelle ist höchstens 24 Stunden befruchtungsfähig. Spermien können zwischen drei und fünf Tage im Körper einer Frau überleben und zeugungsfähig sein. Die ideale Zeit für eine Befruchtung beginnt somit zwei Tage vor dem Eisprung und ist am Tag nach der Ovulation beendet. Da man in der Regel den genauen Zeitpunkt des Eisprungs nicht kennt, gelten (bei einem regelmäßigen 28-Tage-Zyklus) der 9. bis 16. Tag als "fruchtbar". Je öfter Sie während der fruchtbaren Tage Sex haben, desto höher ist die Chance, schwanger zu werden. Pro Zyklus besteht eine Chance von 25%, dass es "einschlägt", wenn ein gesundes, normal fruchtbares Paar an den fruchtbaren Tagen einmal ungeschützten Geschlechtsverkehr hat.

05 Wie erkennt man den Eisprung bzw. die fruchtbaren Tage?

In der Zyklusmitte steigt die Körpertemperatur nach dem Eisprung an drei aufeinanderfolgenden Tagen um etwa ein halbes Grad an. Wer sich ein Kind wünscht, kann seine sogenannte Basaltemperatur täglich messen und weiß dann im nächsten Zyklus, wann mit dem Eisprung ungefähr zu rechnen ist. Um eine brauchbare Temperaturkurve zu erhalten, sollte immer zur gleichen Uhrzeit und an derselben Körperstelle gemessen werden. Am fruchtbarsten ist eine Frau zwei bis drei Tage vor dem höchsten Punkt der Temperaturkurve. Das heißt: Wenn die Temperatur zu steigen beginnt, ist es eigentlich schon zu spät, um ein Kind zu zeugen. Aber die Messungen über ein paar Monate hinweg können zur Vorausberechnung der fruchtbarsten Tage benutzt werden. Automatisch wird dies von einem Zykluscomputer erledigt, den Sie in Apotheken und Drogerien kaufen können. Eine von fünf Frauen spürt den sogenannten Mittelschmerz, einen Schmerz im Unterleib, der durch den Eisprung hervorgerufen wird und wenige Minuten bis zu mehreren Stunden dauern kann. Ein anderes Zeichen ist die Veränderung des Schleimpfropfs, der den Gebärmutterhals (die Zervix) nach außen hin verschließt. Zu Beginn des Zyklus, nach der Menstruation, ist die Scheide eher trocken, und es tritt wenig Zervikalschleim aus. Der Schleimpfropf ist zähflüssig und praktisch undurchdringbar für Spermien. Gegen den Eisprung hin entfaltet das Hormon Östrogen seine Wirkung: Es befindet sich mehr Schleim am Scheidenausgang, und er ist dünnflüssiger und durchsichtiger. Zwei Tage vor dem Eisprung, also an den ersten fruchtbaren Tagen, zieht er sogar Fäden zwischen Daumen und Zeigefinger, man nennt das "spinnbar". Viele Frauen vergleichen den Vaginalschleim in dieser Zeit mit rohem Eiweiß. Am Tag nach dem Eisprung ist der Schleim dann wieder zäher bis sogar fast trocken. Die fruchtbaren Tage sind damit vorbei.

06 Gibt es bestimmte Stellungen, in denen man leichter schwanger wird?

Die Stellung beim Geschlechtsverkehr sollte so gewählt werden, dass ein völliges und möglichst tiefes Eindringen des Gliedes in die Scheide möglich ist. Das erleichtert es den Samenzellen, den Weg zum Eileiter zu finden. Wenn das Sperma beim Geschlechtsverkehr tief in die Scheide gelangt, bleiben die Samenfäden auch länger befruchtungsfähig. Lediglich bei Lageveränderung der Gebärmutter (z.B. einer Abknickung nach hinten) kann der Verkehr in Knie-Ellenbogen-, Bauch-und Seitenlage der Frau günstiger sein, weil der Samenerguss dann näher am Muttermund stattfindet. Bei Kinderwunsch ist es günstig, wenn die Frau nach dem Verkehr etwa eine halbe Stunde liegen bleibt und das Gesäß durch Unterlegen eines Kissens etwas höher lagert. Geschlechtsverkehr im Stehen oder Sitzen lässt das Sperma nicht so tief in die Scheide gelangen und schneller wieder herausfließen.

07 Stimmt es, dass Gleitmittel eine samenfeindliche Wirkung haben?

Die meisten Gleitmittel sind ungünstig, wenn man schwanger werden möchte. Sie haben oft nicht den physiologisch hohen pH-Wert, der für die Mobilität der Spermien wichtig ist. Im Handel gibt es inzwischen aber spezielle Gleitgels für Paare mit Kinderwunsch. Auch Urin und andere Flüssigkeiten sind samenfeindlich, deshalb sollte der Mann in der letzten halben Stunde vor dem Verkehr nicht seine Blase entleeren und die Frau keine Scheidenspülung vornehmen. Auch Sex in der Badewanne oder im Swimmingpool ist eher befruchtungsfeindlich.

08 Wie kann man das zukünftige Geschlecht des Kindes beeinflussen?

Männer haben als Geschlechtschromosomenpaar ein X und ein Y, Frauen zwei X-Chromosomen. Der Vater bestimmt also das Geschlecht des Kindes, denn je nachdem, ob er ein Y- oder X-Chromosom weitergibt, wird es ein Sohn oder eine Tochter. Von der Mutter kommt immer eines ihrer beiden X-Chromosomen dazu. Die Chancen stehen also 50 zu 50. Allerdings gibt es doch nicht unerhebliche Unterschiede zwischen den beiden Spermienarten: Die Spermien mit dem Y-Chromosom haben kleinere, rundliche Köpfe, sind schneller, schwächer und kurzlebiger, weil sie empfindlicher gegen einen sauren pH-Wert im Scheidenmilieu reagieren. Die X-Chromosom tragenden Spermien haben einen größeren, länglichen Kopf, sind langsamer, stärker und können in saurer Umgebung länger überleben. Da das Scheidenmilieu um den Eisprung herum eher alkalisch (basisch) wird und auch der Orgasmus der Frau den pH-Wert des Scheidenmilieus zum Alkalischen verschiebt, ergeben sich daraus folgende Tipps, die natürlich keine Garantie geben, sondern nur die Wahrscheinlichkeit für das eine oder andere Geschlecht erhöhen:

- Wer eine Tochter zeugen will, sollte häufig Geschlechtsverkehr haben, aber zwei Tage vor dem Eisprung pausieren und vor dem Verkehr eine Scheidenspülung mit Essiglösung durchführen (1 Esslöffel Essig auf 1 Liter warmes Wasser). Das Ejakulat sollte nicht ganz so tief in die Scheide gelangen (z.B. mit der Missionarsstellung). Die Frau sollte auf den Orgasmus verzichten.

- Wer einen Sohn zeugen will, sollte einige Zeit pausieren, dann möglichst zum Zeitpunkt des Eisprungs (oder kurz vorher) Geschlechtsverkehr haben und vorher mit alkalischer Lösung spülen (2 Esslöffel Natriumbicarbonat auf 1 Liter warmes Wasser, 15 Minuten stehen lassen). Das Ejakulat sollte möglichst tief in die Scheide gelangen (Löffelchenstellung). Der Orgasmus ist auch der Frau erlaubt!

09 Darf man nach Absetzen der Pille gleich schwanger werden?

Aus ärztlicher Sicht spricht nichts dagegen. Bei neun von zehn Frauen kommt es nach Absetzen der Pille mit ca. zwei Wochen Verspätung gleich zu einem Eisprung und zu einer Monatsblutung. Es kann aber auch einige Zeit dauern, bis der erste Eisprung stattfindet. Untersuchungen haben jedenfalls gezeigt, dass weder die Fruchtbarkeit noch der Verlauf der Schwangerschaft durch vorherige, auch langjährige Pilleneinnahme beeinträchtigt wird. Falls Sie Ihre Regelblutung innerhalb von drei bis vier Monaten nach Absetzen der Pille nicht bekommen haben, sollten Sie Ihren Frauenarzt oder Ihre Frauenärztin um Rat fragen. Diese sogenannte Post-Pill-Amenorrhoe muss bei Frauen mit Kinderwunsch möglichst bald abgeklärt werden, um keine Zeit zu verlieren. Fachleute sind sich jedoch heute einig, dass die Pille, egal, ob nach kurz- oder langzeitiger Einnahme, nicht die Ursache für solche Zyklusunregelmässigkeiten ist. Nach Entfernung der Spirale (IUD) empfehlen die meisten Fachleute dagegen, erst einmal einen Zyklus lang zu warten, damit sich die Gebärmutterschleimhaut regenerieren kann. Das ist eine reine Vorsichtsmaßnahme. Bisher gibt es noch keinen Anhaltspunkt dafür, dass Schwangerschaften sofort nach der Spiralenentfernung komplikationsreicher verlaufen.

10 Wie soll ich mich ernähren, wenn ich schwanger werden möchte?

Kurz gesagt: Ernähren Sie sich vitaminreich, fettarm und vollwertig. Greifen Sie viel zu Obst und frischem Gemüse, Milch- und Vollkornprodukten. Untersuchungen haben ergeben, dass gut die Hälfte der Frauen mit Kinderwunsch nur 50% der empfohlenen Menge an Folsäure/Folaten, Jod und Eisen zu sich nimmt. Ebenso ist das Kalziumangebot häufig zu gering. Frauen, die bisher verhütet haben, sollten auf diese vier kritischen, lebensnotwendigen Mikronährstoffe achten. Das gilt besonders nach Absetzen der Pille, da diese die Aufnahme von Jod und Folsäure/Folaten mindern kann. Mageres Fleisch enthält eine Menge hochwertiges Eisen. Es verhindert Blutarmut, die sich durch Müdigkeit, Infektanfälligkeit und Appetitlosigkeit zeigt, und mobilisiert die Bildung roter Blutkörperchen (Erythrozyten), der Sauerstofftransporteur für Mutter und Kind. Täglich sollten 15 mg Eisen zur Verfügung stehen. Die ausreichende Versorgung mit Jod ist wichtig für die geistige Entwicklung des Kindes. Dabei helfen regelmäßige Portionen Meeresfisch. Zusätzlich kann die Einnahme von Jodidtabletten (100-150 Mikrogramm pro Tag) sinnvoll sein.

11 Warum sind Folsäure/Folate schon vor der Schwangerschaft so wichtig?

Besonders wichtig ist schon in den Monaten vor der Schwangerschaft die Versorgung mit Folsäure/Folaten. Dieses Vitamin aus der Familie der B-Vitamine erhöht die Fruchtbarkeit bei Mann und Frau und reduziert deutlich das Risiko für Neuralrohrdefekte, also angeborene Fehlbildungen von Wirbelsäule und Rückenmark. Folsäure/Folate finden sich vor allem in grünem Blattgemüse, Hefe- und Vollkornprodukten. Ihre Frauenärztin oder Ihr Frauenarzt kann Ihnen aber auch zur Ergänzung der Nahrung die Einnahme eines entsprechenden Präparates (400-800 Mikrogramm pro Tag) empfehlen. So gehen Sie auf Nummer sicher, denn allein durch die Ernährung kann die empfohlene Menge kaum aufgenommen werden.

12 Welche Bedeutung hat mein Körpergewicht auf meine Fruchtbarkeit?

Versuchen Sie, noch vor Eintritt der Schwangerschaft Ihr Idealgewicht zu erreichen, denn während der nächsten neun Monate sind Schlankheitsdiäten nicht empfehlenswert. Diese Empfehlung hat aber auch noch einen anderen Hintergrund: Im Fettgewebe übergewichtiger Frauen werden Geschlechtshormone produziert. Je mehr Pölsterchen Sie haben, desto größer ist der Hormonüberschuss, der Ihren Zyklus durcheinanderbringt und die Fruchtbarkeit herabsetzt. Ab etwa 20% Übergewicht ist deshalb eine Abmagerungsdiät die erste wichtige Maßnahme zur Behandlung von ungewollter Kinderlosigkeit. Selbst wenn das Normalgewicht nicht erreicht wird, erhöhen 10% Gewichtsabnahme bereits die Chance, schwanger zu werden. Auch beim Partner wirkt sich Übergewicht auf die Fertilität aus, denn der Testosteronspiegel ist dann niedriger. Aber auch Untergewicht (Body-Mass-Index von weniger als 18) ist bei Kinderwunsch möglicherweise ein Hindernis. Der Körper besitzt bei niedrigem Gewicht kaum mehr genügend Energie, um eine mögliche Schwangerschaft durchzustehen. Vielfach bleiben Menstruation und Eisprung aus, und der niedrige Fettanteil beeinflusst die Bildung des Hormons Leptin negativ. Hierdurch wird die Produktion der Fortpflanzungshormone gebremst.

13 Muss man schon vor der Schwangerschaft aufhören zu rauchen?

Es ist bewiesen, dass Rauchen die Fruchtbarkeit beeinträchtigt. Raucherinnen werden seltener und nicht so schnell schwanger und haben für die Erfüllung ihres Kinderwunsches erst noch weniger Zeit zur Verfügung, denn sie kommen früher in die Wechseljahre. Qualmende Männer produzieren im Vergleich zu Nichtrauchern nicht nur zahlenmäßig weniger Spermien, sondern dazu auch noch weniger bewegliche. Bei Paaren, von welchen auch nur ein Partner raucht, ist die Chance, eine Schwangerschaft zu erzielen bzw. diese ohne Probleme auszutragen, durch das Nikotin um etwa die Hälfte reduziert! Die gute Nachricht: Etwa ein Jahr nach der letzten Zigarette ist die normale Fruchtbarkeit wieder wiederhergestellt. Es ist ein immer wieder auftauchendes Märchen, dass planende oder werdende Mütter ganz langsam und allmählich mit dem Rauchen aufhören sollten, weil die Entzugserscheinungen das Ungeborene angeblich schädigen. Nichts davon ist wissenschaftlich bewiesen im Gegenteil: Jede Zigarette weniger ist gut für das Baby und Ihre eigene Gesundheit.

14 Sollte man auch mit Alkohol vorsichtig sein, wenn man schwanger werden möchte?

Alkohol (gleichgültig, ob Bier, Wein oder Spirituosen) ist Gift für die Leber, und da die Leber eine wichtige Rolle im Stoffwechsel spielt, ist der Alkoholkonsum bei Mann und Frau nur in kleinen Mengen vertretbar, wenn Sie eine Schwangerschaft planen und Ihre Fruchtbarkeit erhöhen möchten. Sofern eine Lebererkrankung besteht oder früher bestand, ist Alkohol ganz verboten.

15 Spielt der Lebensstil eine Rolle für die Fruchtbarkeit?

Auch ganz allgemeine Dinge in Ihrem täglichen Leben können sich auf die Fruchtbarkeit auswirken. Versuchen Sie vor allem, beruflichen Stress und Arbeit unter Zeitdruck zu umgehen. Schaffen Sie sich Ausgleichsphasen, in denen Sie sich wirklich erholen können. Nutzen Sie den bestehenden Urlaubsanspruch möglichst ungeteilt und schalten Sie einmal so richtig ab. Der günstige Einfluss von Urlaub, Klima- und Milieuveränderung ist durch zahlreiche Einzelfälle erwiesen. Wenn Sie auf den Ihnen zustehenden Urlaub verzichten, ist das im Zusammenhang mit einem Kinderwunsch oder Potenzschwierigkeiten unvernünftig. In den meisten Fällen sind Ferien in einem Reizklima (Meer und Gebirge) einem Aufenthalt in mittleren Höhenlagen vorzuziehen. Eine Nachtruhe von mindestens acht Stunden ist empfehlenswert. Menschen, die nachts berufstätig sind, müssen versuchen, den Schlaf tagsüber nachzuholen. Bei rein körperlichen Tätigkeiten sollte in der Freizeit nicht auch noch ein körperlich anstrengender Sport betrieben werden. Bei rein geistigen Tätigkeiten dagegen empfiehlt sich als Ausgleich in der Freizeit Sport oder eine körperliche Arbeit im Freien. Denn körperliche Arbeit ist im allgemeinen gesünder als eine rein geistige Beschäftigung.

16 Ich bin rhesusnegativ und möchte schwanger werden. Meine Frauenärztin sagt, das sei heute überhaupt kein Problem mehr.

Tatsächlich ist die Rhesus-Unverträglichkeit seit der Einführung der Anti-D-Prophylaxe (Rhesus-Spritze) und der verbesserten Vorsorgeuntersuchungen nur noch eine extrem seltene Komplikation. Eine rhesusnegative Frau braucht sich praktisch kaum mehr Sorgen um die Gesundheit ihres ungeborenen Kindes zu machen als jede andere Schwangere. Die Rhesus-Unverträglichkeit entsteht erst, wenn schon ein Blutkontakt zwischen rhesusnegativer Mutter und rhesuspositivem Kind stattgefunden hat. Das passiert meist bei der Geburt des ersten Kindes, selten aber auch bei Fehlgeburten, Schwangerschaftsabbrüchen oder Eingriffen wie der Amniozentese. Hat ein solcher Kontakt möglicherweise stattgefunden, wird vorsorglich innerhalb von 72 Stunden eine Spritze mit Anti-D-Antikörpern gegeben, die eine Sensibilisierung im mütterlichen Immunsystem verhindert. So wird jedesmal wieder der neutrale Zustand vor der ersten Schwangerschaft hergestellt und eine schwere Rhesus-Unverträglichkeit beim nächsten Kind mit Zerstörung seiner roten Blutkörperchen und daraus folgender Anämie verhindert.

17 Ist es nicht am besten, wenn man bei Kinderwunsch gar keine Arzneimittel mehr einnimmt? Man könnte ja jederzeit schwanger werden, und dann ist das doch gefährlich!

Das kann man generell nicht so sagen. Nur eines ist ganz eindeutig: Genauso falsch wie eigenmächtiges Einnehmen von Arzneimitteln ist das eigenmächtige Absetzen ärztlich verordneter Medikamente. Die Zahl spezieller kindlicher Fehlbildungen, die auf Medikamenteneinnahme in der Schwangerschaft zurückzuführen sind, ist äußerst gering. Und einer werdenden Mutter darf nicht aus unbegründeter Angst ein lebenswichtiges Medikament vorenthalten werden, denn das wäre für ihr ungeborenes Kind viel schlimmer. Optimal ist es, wenn Frauen mit einer chronischen Erkrankung (z.B. Bronchial-Asthma, Bluthochdruck, Epilepsie, psychische Erkrankungen) schon vor Beginn der Schwangerschaft mit Medikamenten und Dosierungen eingestellt werden, die ihr Baby so wenig wie möglich belasten. Dennoch sollten Schwangere kritisch mit Medikamenten umgehen, so wenig wie möglich einnehmen und wenn eine Einnahme doch notwendig erscheint, dies mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin absprechen und auf altbewährte Medikamente zurückgreifen. Wenn Sie außer in gynäkologischer noch in anderer ärztlicher Behandlung sind, muss auch dort ihre Schwangerschaft bekannt sein. Im Allgemeinen werden Schwangeren heute nur solche Medikamente verschrieben, bei denen ausreichend gesichert ist, dass sie keine fruchtschädigende (teratogene) Wirkung haben.

Die ersten Wochen der Schwangerschaft

18 Warum sind die ersten zwölf Wochen der Schwangerschaft so entscheidend?

Im ersten Schwangerschaftsdrittel werden alle Organe des Kindes angelegt und zum Teil auch ausgebildet. Anschließend reifen sie nur noch aus und bereiten sich auf die Funktion vor. Die Gefahr einer Schädigung des Kindes besteht vor allem zwischen dem 14. und dem 55. Tag nach der Empfängnis, also ab der Einnistung der befruchteten Eizelle in der Gebärmutter. Mütterlicher und kindlicher Kreislauf werden zu diesem Zeitpunkt schon miteinander verbunden. Zwar gibt es die sogenannte Plazentaschranke, die schädliche Stoffe auf dem Weg zum Kind aufhalten soll. Und zusätzlich arbeitet der mütterliche Organismus sehr effektiv, um Schadstoffe abzubauen, bevor sie das Kind erreichen können. Aber bestimmte Stoffe im mütterlichen Blut (z.B. Drogen, Nikotin, Medikamente, Alkohol) können die Barriere trotzdem überwinden, die Organentwicklung stören und das Kind schädigen. In schweren Fällen kann es auch zur Fehlgeburt kommen. Viele kindliche Anomalien lassen sich vorgeburtlich feststellen, manche sogar behandeln. Trotzdem wird es immer Behinderungen geben, die durch herkömmliche Untersuchungsmethoden nicht erkannt werden können. Deshalb ist nicht nur die Früherkennung, sondern auch die Vorsorge, also die möglichst umfassende Vermeidung schädlicher Einflüsse, enorm wichtig.

19 Ist auch die Zeit zwischen Befruchtung und positivem Schwangerschaftstest gefährlich? Man weiß doch dann noch gar nicht, dass man schwanger ist!

Vor der Einnistung der befruchteten Eizelle, also in den ersten zwei Wochen nach der Befruchtung, gilt noch das "Alles-oder-nichts-Gesetz". Das bedeutet: Die Schädigung ist entweder so stark, dass der kleine Zellhaufen komplett zugrunde geht. Oder die Schädigung ist nur gering, sodass die Funktion beschädigter Zellen von gesunden Zellen ausgeglichen wird und das Kind sich ungestört weiterentwickeln kann. Wenn Sie in dieser Zeit einmal zu viel Alkohol getrunken haben, Medikamente nehmen mussten oder irgendein anderes, möglicherweise schädliches Ereignis passiert ist, brauchen Sie sich also keine Sorgen zu machen.

21 Kurz vor dem positiven Schwangerschaftstest habe ich auf einer Party ein bisschen zu viel Alkohol getrunken. Hat das meinem Kind geschadet?

In den ersten zwei bis drei Wochen nach der Befruchtung sind die sich teilenden embryonalen Zellen noch relativ widerstandsfähig gegenüber schädigenden äußeren Einflüssen, d.h. der Embryo wird entweder gar nicht geschädigt oder so stark, dass es zu einer Fehlgeburt kommt (Alles-oder-nichts-Gesetz). Sie brauchen sich also keine Sorgen zu machen, wenn die Party in dieser Zeit stattgefunden hat. Ab der 5. Schwangerschaftswoche findet dann allerdings die Organbildung statt, und in dieser Zeit reagiert der Embryo sehr empfindlich auf Störungen. Für Alkohol speziell hat man bisher keinen risikofreien Grenzwert festlegen können. Bei Frauen mit regelmäßigem Alkoholkonsum sind jedenfalls Frühgeburten und ein niedrigeres Geburtsgewicht des Kindes häufiger. Das fetale Alkoholsyndrom, das bei ständigem Missbrauch vor allem von hochprozentigem Alkohol auftreten kann, führt zu unterschiedlich schweren, vor allem geistigen Behinderungen beim Kind.

22 Warum bin ich nur immer so müde? Ich bin doch erst ganz am Anfang der Schwangerschaft!

Dass Sie sich gerade im ersten Schwangerschaftsdrittel sehr müde fühlen, ist ganz typisch. Der Bauch ist zwar noch nicht zu sehen, aber trotzdem vollbringt Ihr Körper Höchstleistungen. In den ersten drei Monaten wird das Versorgungssystem für Ihr Baby geschaffen, und Ihr Organismus muss sich an viele neue Anforderungen der Schwangerschaft gewöhnen. Das Herz pumpt mehr Blut schneller durch Ihren Körper, und Sie atmen häufiger. Der Blutdruck sinkt. An vielen unterschiedlichen Stellen Ihres Körpers wirken Unmengen von Hormonen und verursachen Veränderungen, zum Teil auch die typischen Beschwerden. Die ganz normale Müdigkeit kann durch ständige Übelkeit und Erbrechen noch verstärkt werden, weil dem Körper nicht mehr so viel hochwertige Energie zur Verfügung steht. Eisenmangel trägt ebenfalls oft zur Müdigkeit bei. Viele Frauen nehmen weniger Eisen auf, als ihr Körper braucht, vor allem, wenn sie starke Monatsblutungen haben oder sich vegetarisch ernähren. In der Schwangerschaft steigt der Eisenbedarf enorm. Wenn nicht deutlich mehr von diesem wichtigen Mineral zugeführt wird, zeigen sich die ersten Symptome eines Eisenmangels: Müdigkeit, Nervosität, Herzklopfen, Atemnot, Blässe, brüchige Nägel, eingerissene Mundwinkel.

Schwangerschaft und Veränderungen des weiblichen Körpers

23 Ich dachte, in der Schwangerschaft verschwinden Pickel und Mitesser. Aber meine Haut ist noch fettiger geworden.

Es ist nicht eindeutig vorhersehbar, wie die Haut auf die veränderte Hormonsituation in der Schwangerschaft reagiert. Trockene Haut kann fettiger werden. Und Frauen, die früher mit unreiner Haut oder Akne zu kämpfen hatten, haben plötzlich eine reine Pfirsichhaut. Durch die Schwangerschaftshormone wird mehr Wasser in der Haut eingelagert, und das macht sie praller und fester. Kleine Fältchen fallen weniger auf. Die stärkere Durchblutung der Haut lässt auch kleine Unreinheiten verschwinden. Andererseits erhöhen die Talg-und Schweißdrüsen ihre Aktivität, und dadurch kann Akne entstehen oder sich verschlimmern. Vorsichtig sollten Sie mit neuen Pflegeprodukten sein: Schwangere reagieren leichter mit einer Allergie.

24 Meine Brustwarzen sondern eine gelblich-weiße Flüssigkeit ab. Kann das schon Vormilch sein?

Bei vielen Schwangeren tritt ab dem Ende des zweiten Schwangerschaftsdrittels, selten auch schon früher, eine weißlich-gelbe Flüssigkeit aus den Brustwarzen aus, die sogenannte Vormilch (Kolostrum). Sie dient Ihrem Baby als Nahrung in den ersten Tagen nach der Geburt, ist reich an Proteinen, Abwehrkörpern und Vitaminen und leichter verdaulich als die reife Muttermilch. Wenn Sie Flecken in der Kleidung vermeiden wollen: Stecken Sie sich schon jetzt Stilleinlagen in den Büstenhalter. Achtung: Wenn blutige Flüssigkeit aus den Brustwarzen austritt, sollten Sie Ihren Frauenarzt, Ihre Frauenärztin oder Ihre Hebamme informieren.

25 Meine Kurzsichtigkeit hat sich in der Schwangerschaft deutlich verstärkt. Soll ich mir nun eine neue Brille verschreiben lassen oder bessert sich das nach der Geburt wieder?

Viele Schwangere berichten über eine mehr oder weniger starke Verschlechterung ihrer Sehschärfe. Kurzsichtige können häufig in der Ferne weniger deutlich sehen, Weitsichtige müssen sich während der Schwangerschaft beim Lesen mehr anstrengen. Kontaktlinsenträgerinnen bemerken das noch früher als Brillenträgerinnen. Die Ursache liegt in der vermehrten Flüssigkeitsaufnahme im Gewebe. In der Regel gibt sich das schon kurz nach der Geburt wieder. Die Anschaffung einer neuen Brille lohnt sich also nur in schweren Fällen von Sehverschlechterung. Achtung: Wenn Sie verschwommen sehen oder Blitze vor den Augen feststellen sollten Sie das unbedingt Ihrem Frauenarzt, Ihrer Frauenärztin oder Hebamme mitteilen. Dies sind Symptome, die unbedingt ernst genommen werden müssen. Sie können ein Anzeichen für eine ernsthafte Augenerkrankung, bei Schwangeren aber auch für eine Präeklampsie sein, vor allem im Zusammenhang mit Bluthochdruck und Eiweiss im Urin.

26 Ich bin schon in der 8. Woche, aber mir ist immer noch nicht schlecht. Ist da etwas nicht in Ordnung?

Die typischen frühen Schwangerschaftsbeschwerden müssen nicht unbedingt immer auftreten und können selbst bei derselben Frau in aufeinanderfolgenden Schwangerschaften ganz unterschiedlich sein. Freuen Sie sich, dass Sie zu dem Viertel aller Schwangeren gehören, die von der lästigen Übelkeit verschont bleiben. Weitere häufige Symptome in der Frühschwangerschaft: 70 bis 80% aller Schwangeren haben Brustspannen, etwas mehr als die Hälfte aller Schwangeren bemerken eine Blasenschwäche, vermehrten Speichelfluss, Ausfluss aus der Scheide, Verstopfung und ungewöhnliche Essgelüste.

27 Bei den Vorsorgeuntersuchungen ist immer alles in Ordnung. Warum habe ich trotzdem ständig ziehende Unterleibsschmerzen?

Da bei den Vorsorgeuntersuchungen nichts Besorgniserregendes aufgefallen ist, kann es sich eigentlich nur um die typischen Dehnungsschmerzen handeln. Der gesamte Bereich um die Gebärmutter herum ist stark durchblutet und deshalb auch schon so früh in der Schwangerschaft ein ungewohntes und nicht zu unterschätzendes Gewicht für Bänder und Sehnen (Mutterbänder), die hier stützen müssen. Solange Sie nicht gleichzeitig Blutungen haben, besteht kein Anlass zur Sorge.

28 Mir wird jetzt so oft schwindelig, wenn ich aufstehe. Ist das gefährlich für mein Baby?

Die veränderte Hormonsituation in der Schwangerschaft hat viele Auswirkungen auf Ihren Körper. Auch Schwindelgefühle gehören dazu. In der Frühschwangerschaft sind Blutzuckerspiegel und Blutdruck oft zu niedrig. Dann hilft es, eine Kleinigkeit zu essen und den Blutdruck durch Trockenbürsten, Wechselduschen und Bewegung auf Trab zu bringen. In den letzten Wochen kann Schwindel dadurch hervorgerufen werden, dass Blut in den Beinen versackt und das Gehirn zu wenig Blut abbekommt. Besonders bei längerem Stehen oder heißem Wetter sowie in überheizten Räumen (z.B. nach dem Baden) wird Schwangeren deshalb leicht schwindelig. Ihr Körper gleicht diesen kurzfristigen Schwindel immer zugunsten der Gebärmutterversorgung aus, so dass Ihr Baby gar nichts davon merkt. Achtung: Schwindel kann auch ein Anzeichen für Blutarmut (Anämie) und Bluthochdruck sein! Deshalb sollten Sie auf jeden Fall Ihren Frauenarzt, Ihre Frauenärztin oder Ihre Hebamme informieren, wenn Sie in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft häufiger Schwindelanfälle haben.

29 Ist Nasenbluten häufiger in der Schwangerschaft? Wie kann man vorbeugen?

Nasenbluten ist eine der häufigeren Schwangerschaftsbeschwerden. Die Blutgefäße in der jetzt stärker durchbluteten Nasenschleimhaut werden leichter verletzt, z.B. bei zu kräftigem Naseputzen. Aber auch die größere Blutmenge im Körper trägt dazu bei. Die Blutung sieht meist dramatischer aus, als sie wirklich ist, denn der Blutverlust ist minimal. Wenn es aus der Nase blutet, sollte man sich leicht nach vorne beugen und die Nasenflügel für fünf bis zehn Minuten zusammendrücken. Zusätzlich können kalte Tücher auf der Stirn und im Nacken helfen. Die Kälte bewirkt, dass sich die Blutgefäße zusammenziehen und die Blutung aufhört. Gelangt Blut in den Rachen, sollten Sie es nicht schlucken, sondern ausspucken, damit Ihnen nicht übel wird. Halten die Blutungen länger als 20 Minuten an, suchen Sie besser einen Arzt auf. Zur Vorbeugung wird empfohlen, viel zu trinken und die Nasenschleimhaut durch eine pflegende Salbe oder Nasenöl feucht zu halten. Naseputzen ist nur sinnvoll, wenn Sekret produziert wurde, jedoch nicht, wenn die Nasenschleimhaut nur angeschwollen ist. Vor allem einige Stunden nach dem Nasenbluten können sich durch den erhöhten Druck beim Schnäuzen gerade angetrocknete Blutkrusten lösen und eine erneute Blutung auslösen. Achtung: Häufiges Nasenbluten kann ein Symptom von Bluthochdruck sein. Deshalb sollten Sie es bei der nächsten Vorsorgeuntersuchung erwähnen.

30 Bekommen alle Schwangeren Krampfadern?

Nein, nicht alle, aber immerhin etwa die Hälfte aller Schwangeren. Die Blutgefäße sind durch die Schwangerschaftshormone zusätzlich weit gestellt, der venöse Rückfluss zum Herzen ist gestört. So staut sich das Blut in den Venen der unteren Körperhälfte, es entstehen die unregelmäßigen, bläulich auf der Haut durchscheinenden Varizen (Krampfadern). Kommt es zu Krampfadern, liegt meist eine erbliche Bindegewebeschwäche vor. Aber auch übergewichtige und ältere Schwangere, Frauen, die Mehrlinge erwarten oder schon mehrere Kinder haben, gehören zur Risikogruppe. Langes Stehen und wenig Bewegung fördern zusätzlich die Entstehung von Krampfadern. In Krampfadern bilden sich leichter Venenentzündungen und Thrombosen, die sehr gefährlich werden können. Varizen sind deshalb nicht nur ein kosmetisches Problem! Achten Sie auf Schmerzen, Schwellungen und Rötungen an den Beinen. Bei starken Krampfadern wird Ihr Arzt oder Ihre Ärztin Ihnen Kompressionsstrümpfe, venenaktive Salben und evtl. Heparin-Spritzen verschreiben.

31 Ich bin erst in der 10. SSW, habe aber schon ständig Rückenschmerzen. Liegt das an meiner abgeknickten Gebärmutter?

Eine abgeknickte (retrovertierte) Gebärmutter kann eine Ursache sein. Wenn die Gebärmutter nach hinten in Richtung Kreuzbein zeigt, entsteht dort vor allem zu Beginn der Schwangerschaft ein starker Druck. Schlafen Sie, solange es noch geht, in der Bauchlage, eventuell mit Kissen abgestützt. Schmerzen im Bereich des unteren Rückens können allerdings auch andere Ursachen haben. Sie werden in der späteren Schwangerschaft eher durch die ungewohnte Belastung der Wirbelsäule und eine schlechte Haltung ausgelöst. Dies umso mehr, als die Gelenke zur Vorbereitung auf die Geburt durch das Hormon Progesteron lockerer geworden sind. Muskeln und Bänder werden im gesamten Beckenbereich extrem beansprucht. Durch den übergrossen, schweren Bauch neigen Schwangere zu einer falschen Körperhaltung: Der Bauch wird nach vorne gestreckt und ein Hohlkreuz gebildet, die Rückenmuskulatur wird dadurch überanstrengt.

32 Mir wird sogar übel, wenn ich mein Lieblingsparfum rieche. Geht das allen Schwangeren so?

Die Schwangerschaftshormone führen besonders in den ersten Wochen zu einer erhöhten Geruchsempfindlichkeit. Unangenehme Gerüche lösen dann sehr viel leichter Übelkeit aus, aber auch bisher als positiv wahrgenommene Düfte können auf einmal zu einem Ekelgefühl führen. Speisen schmecken auch plötzlich ganz anders, vor allem weil die Zusammensetzung des Speichels verändert ist. Oft liegt ein unangenehmer metallischer Geschmack auf der Zunge. Durch dieses veränderte Empfinden können Schwangere besser einschätzen, was für sie und ihr Baby schädlich sein kann. Viele Frauen finden schon im ersten oder zweiten Monat der Schwangerschaft den Geruch von Kaffee, Wein, Bier oder Zigaretten unerträglich. Auch verdorbene Speisen werden von Schwangeren schneller erkannt.

33 Meine Brüste sind so viel größer geworden, dass sie wahrscheinlich bald platzen. Jede Berührung tut weh. Bleibt das so während der ganzen Schwangerschaft?

Die Brüste verändern sich enorm, vor allem in der ersten Schwangerschaft. Schon kurz nach Ausbleiben der Regel bemerken die meisten Frauen, dass ihr Busen grösser, geschwollen und fester ist und gleichzeitig sehr empfindlich. Oberflächliche Blutgefäße schimmern bläulich durch die Haut. All das sind Symptome des veränderten Hormonhaushalts. Östrogen und HPL (Humanes Plazenta-Laktogen), später auch Prolaktin fördern die Entwicklung der Milchdrüsen und bereiten sie auf ihre Aufgabe nach der Geburt vor. Das Wachstum hält auch in den restlichen Schwangerschaftswochen noch an. Aus einem B- wird häufig ein D-Körbchen oder sogar mehr. Jede Brust wiegt kurz vor der Geburt im Durchschnitt fast ein Pfund mehr als vor der Schwangerschaft. In der Regel lassen aber die Empfindlichkeit und das Spannungsgefühl nach dem ersten Schwangerschaftsdrittel nach. Bei schmerzenden Brüsten kann ein Vollbad oder ein warmer Umschlag, z.B. mit Lavendel und Neroli, sehr entspannend sein. Damit Sie sich wohler fühlen und um das Bindegewebe zu stützen, lohnt sich die Anschaffung eines gut sitzenden Büstenhalters mit breiten Trägern gleich zu Beginn der Schwangerschaft. Dieser leistet unter Umständen auch nachts gute Dienste.

34 Ich vertrage meine Kontaktlinsen plötzlich gar nicht mehr. Woran liegt das?

Kontaktlinsenträgerinnen haben oft Schwierigkeiten in der Schwangerschaft. Dann hilft nur, auf die Brille zurück zurückzugreifen. Gründe für die Unverträglichkeit: Es wird nicht mehr so viel Tränenflüssigkeit produziert, und sie ist weniger viskös. Hornhaut und Augenlinse nehmen jetzt mehr Flüssigkeit auf, und deshalb ändert sich die Krümmung der Hornhaut. Folglich sitzt die Kontaktlinse nicht mehr ganz perfekt, und das Auge ermüdet im Verlauf des Tages etwas schneller. Typisch sind auch eine erhöhte Lichtempfindlichkeit und ein reduziertes Kontrastempfinden, besonders nach längerem Tragen der Kontaktlinsen. Wenn Sie unbedingt weiterhin Ihre Kontaktlinsen einsetzen wollen, sollten Sie die Tragzeit so kurz wie nötig halten und eventuell zusätzlich künstliche Tränenflüssigkeit verwenden.

35 Seitdem ich schwanger bin, könnte ich jede halbe Stunde zur Toilette laufen. Habe ich eine Blasenentzündung?

Gibt es Anzeichen für einen Harnwegsinfekt, wie Schmerzen beim Wasserlassen, Blut im Urin oder Fieber? Schwangere sind anfälliger für Blasenentzündungen, weil Keime leichter die Harnröhre aufsteigen können. Gleichzeitig muss eine Blasenentzündung in der Schwangerschaft unbedingt behandelt werden! Informieren Sie Ihren Frauenarzt, Ihre Frauenärztin oder Ihre Hebamme. Wahrscheinlich aber ist der vermehrte Harndrang nur eines der ersten Symptome der Schwangerschaft. Verantwortlich ist auch hier der erhöhte Spiegel des Hormons Progesteron, das eine entspannende Wirkung auf die Blasenmuskulatur hat. Die verstärkte Durchblutung im Becken regt die Nierentätigkeit an, weshalb mehr Urin produziert wird. Außerdem drückt die zwar noch kleine, aber sich in der Nachbarschaft rasch vergrößernde Gebärmutter auf die Harnblase. Bei vielen Frauen lässt die Blasenschwäche im zweiten Schwangerschaftsdrittel deutlich nach, nimmt im dritten jedoch wieder zu, wenn der Kopf des Kindes auf die Harnblase drückt. Bei vielen Schwangeren führt das gelegentlich zu einem unfreiwilligen Abgang von Urin, vor allem wenn die Bauchmuskulatur angespannt wird wie beim Laufen, Niesen, Husten, Pressen. Ganz falsch wäre es, deshalb weniger zu trinken: Sie riskieren sonst wirklich eine Blasenentzündung! Trinken Sie im Gegenteil noch mehr als sonst, um die Harnwege gut zu spülen. Zur Vorbeugung einer Harnwegsinfektion haben sich besonders Preiselbeertee oder -saft und Cranberry Juice bewährt. Beginnen Sie schon früh in der Schwangerschaft mit einem gezielten Training der Beckenbodenmuskulatur. Damit beugen Sie einer Gebärmuttersenkung und einer bleibenden Blasenschwäche (Harninkontinenz) vor.

36 Ich fange schon bei der kleinsten Kleinigkeit an zu weinen... Geht das anderen Schwangeren auch so?

Stimmungsschwankungen sind eine ganz normale Begleiterscheinung der Schwangerschaft. Schließlich wirken die Hormone auch auf die seelische Befindlichkeit! Die meisten werdenden Mütter bemerken, dass sie sensibler reagieren auf Ängste, Kritik, Streit, Überforderung. Trotz himmelhochjauchzender Freude auf das Baby kommen dann ganz plötzlich die Tränen für die bestürzte Umgebung mehr oder weniger grundlos. Tauschen Sie sich mit anderen Schwangeren und Freundinnen über Ihre Gefühle aus und lassen Sie auch Ihren Partner daran teilhaben. Wenn die Umwelt sich darauf einstellen kann, vermeiden Sie Konflikte. Die emotionale Instabilität bessert sich normalerweise bald wieder. Ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel fahren die Gefühle nicht mehr Achterbahn. Für die meisten Schwangeren beginnt dann eine Zeit der Ruhe und Gelassenheit.