100 Fragen rund um die Schwangerschaft

Dr. med. Brigitte Holzgreve (Chefredaktion)

Blutwerte & medizinische Abklärungen

37 In meiner Urinprobe wurde Glukose festgestellt. He isst das, ich bin zuckerkrank?

Nein, zunächst noch nicht. In der Schwangerschaft funktionieren die Nieren etwas anders und halten Zucker (Glukose) nicht mehr so gut zurück. Die sogenannte Schwangerschafts-Glukosurie findet man bei etwa einer von sieben Schwangeren, ohne dass ein Schwangerschaftsdiabetes vorliegt. Andererseits kann dies auch ein erstes Anzeichen für eine Störung im Kohlenhydrat-Stoffwechsel sein. Ihr Frauenarzt oder Ihre Frauenärztin wird deshalb weitere Untersuchungen durchführen. Bei wiederholtem Nachweis von Zucker im Urin ist der nächste Schritt ein Blutzuckerbelastungstest, mit dem man einen Schwangerschaftsdiabetes feststellen kann. Übrigens: Wenn bei Ihnen Zucker im Urin nachweisbar ist, haben Sie ein erhöhtes Risiko für Harnwegsinfekte, denn Bakterien können sich leichter vermehren. Wichtig ist dann, dass Sie Ihre Harnwege gut spülen, also viel trinken!

38 Ich habe immer mal wieder leichte Schmierblutungen, aber bis jetzt (13. Woche) war bei den Untersuchungen immer alles in Ordnung. Muss ich mir trotzdem Sorgen machen?

Schmerzlose leichte Schmierblutungen kommen in der Frühschwangerschaft recht häufig vor, schätzungsweise bei etwa einem Viertel aller Schwangeren. Die meisten Schwangerschaften, die leichte Blutungen zeigen, gehen danach ungestört weiter. Oft sind leichte Blutungen nur ein Zeichen dafür, dass Sie sich etwas mehr schonen sollten, und nach ein paar Tagen Ruhe ist fast immer alles wieder in Ordnung. Manche werdenden Mütter haben einen zu niedrigen Spiegel des Gelbkörperhormons (Progesteron) und bluten deshalb vorübergehend in den ersten Wochen. Auch später in der Schwangerschaft kann es noch zu Schmierblutungen oder leichten Blutungen kommen, und zwar meist um die Zeit herum, wenn normalerweise Ihre Regelblutung eingesetzt hätte. Die Verletzung feiner Blutgefäße am Muttermund (z.B. beim Geschlechtsverkehr) sowie eine entzündete oder versprengte Gebärmutterschleimhaut am äußeren Muttermund sind weitere harmlose Ursachen. Gegen Ende der Schwangerschaft wird der leicht blutige Abgang des Schleimpfropfs häufig als Schmierblutung angesehen. Blutungen während der Schwangerschaft, egal, ob mit oder ohne Schmerzen, können allerdings auch ein Warnzeichen für eine ernsthafte Störung sein: Eine Fehlgeburt oder eine Plazenta-Komplikation kann sich beispielsweise so ankündigen. Eine ärztliche Kontrolle ist deshalb immer sinnvoll. Zögern Sie nicht, einmal kurz nachschauen zu lassen.

39 Ist es gefährlich, wenn der Muttermund nicht ganz geschlossen ist?

Eine Muttermundschwäche kommt am häufigsten zwischen dem vierten und sechsten Schwangerschaftsmonat vor. Der Grund für eine solche Zervixinsuffizienz ist in den meisten Fällen unbekannt. Der Muttermund öffnet sich nicht erst während der Geburt, sondern schon vorzeitig, manchmal schon zu Beginn des zweiten Schwangerschaftsdrittels. Das kann gefährlich werden, weil sich Keime leichter ansiedeln und zu einer Fehlgeburt oder vorzeitigen Wehen und zu einer Frühgeburt führen können. Wenn Sie noch keine vorzeitigen Wehen haben, kann konsequente körperliche Schonung in den meisten Fällen eine Frühgeburt verhindern. Wichtig ist zusätzlich, Infektionen im Scheidenbereich zu verhindern, indem der pH-Wert im sauren Bereich gehalten wird. Teststäbchen oder Testhandschuhe erhalten Sie in der Apotheke. Schon vorhandene Infektionen müssen sorgfältig behandelt werden. Eine Muttermundschwäche, die sich schon sehr früh in der Schwangerschaft zeigt, kann auch mit einer Cerclage behandelt werden: Der Gebärmutterhals wird unter Narkose ungefähr im vierten Schwangerschaftsmonat zugenäht, d.h. ein Kunststoffbändchen wird mit wenigen Stichen um die Zervix gelegt und wie ein Tabaksbeutel zugezogen. Die Naht wird erst eine oder zwei Wochen vor dem Entbindungstermin entfernt. Statt dessen kann auch ein Cerclage-Pessar, ein Ring aus weichem Gummi, ohne Narkose einfach über den Muttermund gestreift werden.

40 Was bedeutet es, wenn der Gebärmutterhals "verkürzt" ist?

Die Länge des Gebärmutterhalses (Zervix) kann mithilfe von Ultraschall fast millimetergenau gemessen werden. Wenn die Zervix verkürzt ist, hat sich der innere Muttermund schon trichterförmig geöffnet. Das kann ein Anzeichen dafür sein, dass bald Wehen zu erwarten sind. Je nach Schwangerschaftswoche besteht somit ein Frühgeburtsrisiko. Allgemein geht man davon aus, dass eine Zervixlänge von mehr als 2,5 cm noch in Ordnung ist. Bei Werten von weniger als 2,5 cm sollten in kürzeren Abständen Kontrolluntersuchungen stattfinden, es wird zu körperlicher Schonung geraten und evtl. ein wehenhemmendes Medikament verordnet.

41 Ab wann kann man die Herztöne des Kindes hören?

Der kindliche Herzschlag wird praktisch schon bei der ersten Ultraschalluntersuchung kontrolliert, dann bei jeder weiteren Ultraschalluntersuchung. Früher hat man die Herztöne mit dem geburtshilflichen Stethoskop abgehört. Das ist aber erst später in der Schwangerschaft, frühestens ab der 18. Woche, möglich. Heute setzt man ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel kleine Geräte ein, die nach dem Doppler-Prinzip funktionieren und die Herztöne deutlich hörbar machen.

42 Kann man im Ultraschall sehen, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird?

Wenn Sie gerne wissen wollen, welches Geschlecht Ihr Baby haben wird, gelingt das am besten bei der Ultraschalluntersuchung im zweiten Drittel der Schwangerschaft. Die Geschlechtsdiagnostik ist aber natürlich davon abhängig, wie Ihr Baby liegt oder sich bewegt und ob es seine relevanten Bereiche, also die Geschlechtsteile, bereitwillig zeigt. Wenn zum Beispiel in dieser Zeit deutlich ein Penis zu sehen ist, kann man mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem Jungen ausgehen.

Krankheiten, ärztliche Untersuchungen und Medikamente

43 Warum ist zu viel Vitamin A in der Schwangerschaft gefährlich?

Der Vitamin-A-Bedarf ist auch in der Schwangerschaft ausreichend durch unsere Nahrung gedeckt, eine zusätzliche Zufuhr ist normalerweise nicht nötig. Hinzu kommt, dass Vitamin A fettlöslich ist und bei einem Überangebot nicht über den Urin ausgeschieden, sondern im Körper gesammelt wird. Eine übermäßigeufuhr von Vitamin A kann bei mehr als 25.000 IE pro Tag (entspricht 7,5 mg Vitamin A) fruchtschädigend wirken. Vitamin A kommt nur in tierischen Produkten vor, z.B. in Eiern, Milch, Butter oder Leber. Pflanzliche Produkte, vor allem gelbe Gemüse (Rüebli) und Früchte, enthalten Beta-Karotin, eine Vorstufe des Vitamins A. Unser Körper bildet aus diesem Provitamin erst dann das wirksame Vitamin A, wenn das Angebot aus tierischen Quellen zu gering ist und eine Unterversorgung droht eine Überdosierung ist damit praktisch nicht möglich. Vorsicht jedoch bei Leber: Je nach Zusammensetzung des Tierfutters kann sie eine sehr hohe Menge Vitamin A enthalten. Fachleute raten deshalb Schwangeren, zumindest in den ersten drei Monaten auf den regelmäßigen Verzehr von Leber aller Tierarten zu verzichten. Auch beim Verzehr von leberhaltigen Produkten (z.B. Leberwurst, Leberpastete) sollte man zurückhaltend sein. Wenn Sie aber einmal ein Stück Leber, d.h. die übliche Portion von ca. 125 g, gegessen haben, ist das überhaupt noch kein Grund, sich Sorgen zu machen.

44 Mein Arzt hat mir trotz Schwangerschaft ein Arzneimittel verschrieben. Aber im Beipackzettel steht: "Strenge Indikationsstellung in der Schwangerschaft"!

Dieser aus juristischen Gründen sehr vorsichtig formulierte Zusatz steht bei den meisten Medikamenten auf dem Beipackzettel und verursacht oft große Sorgen, wenn ein Präparat versehentlich eingenommen wurde. Er bedeutet aber nur, dass die Wirkung des Medikaments in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft noch nicht ausreichend erforscht ist, weil große Studien bisher noch nicht durchgeführt wurden. Positiv gesehen heißt das, es liegen keine Berichte über kindliche Schädigungen durch dieses Medikament vor. Sicherheitshalber wird jedoch vor einer unüberlegten Anwendung gewarnt. Hat man eine gute Begründung (Indikation) für den Einsatz dieses Präparats, z.B. wenn eine Erkrankung behandelt werden muss, aber ein anderes Arzneimittel nicht so wirksam ist, kann man die Einnahme ärztlicherseits vertreten. Der seltene Zusatz "In der Schwangerschaft kontraindiziert" bedeutet, dass es entweder im Tierversuch oder sogar beim Menschen Hinweise auf eine teratogene Wirkung gibt.

45 Sind auch Abführmittel gefährlich in der Schwangerschaft?

Es ist sehr unwahrscheinlich, dass die Einnahme eines pflanzlichen Abführmittels bei hartnäckiger Verstopfung Ihr ungeborenes Kind schädigen könnte. Mittel wie z.B. Senna-Psyllium oder Bisocadyl werden schon sehr lange bei Schwangeren eingesetzt, und Anzeichen für eine erhöhte Fehlbildungsrate hat es bisher noch nicht gegeben. Trotzdem ist es gut, wenn Sie versuchen, den Abführmittelgebrauch immer weiter einzuschränken. Durch ballaststoffreiche Nahrung, viel Trinken und Bewegung können Sie Ihre Verdauung sicher wieder ankurbeln. Füll-und Quellstoffe wie Weizenkleie, Agar-Agar, Leinsamen und Methylcellulose immer mit sehr viel Flüssigkeit - sowie osmotische Abführmittel wie Lactulose, Mannit oder Sorbit sind gut geeignete Alternativen. Vorsichtig sollten Sie allerdings sein mit Anthrachinon-haltigen Abführmitteln und Rhizinusöl! Sie können Wehen auslösen.

46 Schadet es, wenn man Folsäure länger als die empfohlenen 12 Wochen einnimmt?

Wissenschaftlich unbestritten ist, dass eine ausreichende Versorgung mit Folsäure in der Frühschwangerschaft beim ungeborenen Kind das Risiko für Neuralrohrdefekte (z.B. offener Rücken) vermindert. Einige Studien deuten auch darauf hin, dass frühe Fehlgeburten, eine Präeklampsie (Gestose) oder vorzeitige Plazentalösung bei Folsäuremangel etwas häufiger ist. Frauen, die eine Schwangerschaft planen, sollten deshalb möglichst schon einen Monat vor Eintritt der Schwangerschaft zusätzlich ein Folsäure-/Folat-Präparat einnehmen, denn der Bedarf ist selbst durch bewusste Ernährung mit viel grünem Gemüse allein nicht zu decken. Nach der 12. Schwangerschaftswoche hat die Folsäure keinen Effekt mehr auf das Neuralrohr des Feten, denn die Organbildung ist im ersten Drittel der Schwangerschaft abgeschlossen. Trotzdem ist es nicht unvernünftig, weiterhin Folsäure/Folate einzunehmen. Folate sind ein unverzichtbarer Baustein bei der Neubildung von Zellen und deshalb an vielen wichtigen Prozessen im Körper des ungeborenen Kindes beteiligt. Und auch der werdenden Mutter tut eine erhöhte Folsäure-/Folatzufuhr gut: Sie hilft bei der Vermeidung einer Blutarmut und soll das Risiko für Darmkrebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen langfristig senken. Eine Überdosierung von Folsäure ist nicht bekannt. Bei gleichzeitiger Einnahme bestimmter Epilepsie-Medikamente oder bei einer chronischen Darmerkrankung muss die empfohlene tägliche Dosis von 0,4 mg sogar auf bis zu 5 mg gesteigert werden.

47 Sollten grundsätzlich alle Schwangeren ein Eisenpräparat einnehmen?

Darüber sind sich auch die Experten nicht ganz einig. Den allermeisten Schwangeren würde ein Eisenpräparat nicht schaden, und vielen könnte es nützen. Allerdings muss man auch die Kosten einer solchen Aktion bedenken. Tatsache ist: Der tägliche Eisenbedarf steigt während der zweiten Hälfte der Schwangerschaft, wenn sowohl Mutter als auch Kind ihre Blutbildung verstärken, um das Doppelte auf ca. 30 mg. Diese Menge ist kaum über die Nahrung aufzunehmen, sodass zunächst die Körperspeicher der Schwangeren entleert werden. Bei vielen Frauen sind diese Reserven durch Monatsblutungen und vorhergehende Schwangerschaften ohnehin sehr niedrig. So kommt es spätestens ab der 30. SSW häufig zu den Symptomen eines Eisenmangels, wie Müdigkeit, Blässe, Infektionsanfälligkeit. Die Einnahme eines Eisenpräparats ist spätestens dann sinnvoll. TIPP: Vitamin C hilft dem Körper bei der Eisenaufnahme aus der Nahrung. Geben Sie deshalb einen Spritzer Zitronensaft an die eisenreiche Mahlzeit oder trinken Sie ein Glas Orangen-oder Grapefruitsaft dazu!

48 Sind Nasensprays auch in der Schwangerschaft noch erlaubt?

Ja, wenn sie nicht über einen längeren Zeitraum benutzt werden. Denn Schnupfensprays wirken auch im übrigen Körper, z.B. an den Blutgefäßender Plazenta, etwas ggefäßverengend was aber für eine begrenzte Zeit kein Problem ist. Ungünstiger wäre auf jeden Fall, wenn Sie durch die verstopfte Nase zu wenig Sauerstoff aufnehmen könnten. Das kann Ihr Baby eventuell mehr beeinträchtigen als die minimalen Nebenwirkungen des Medikaments. Versuchen Sie trotzdem, zunächst mit harmlosen Meerwasser- oder Kochsalzsprays auszukommen oder mit Nasensprays in niedriger Konzentration, z.B. für Säuglinge. Die verdünnte Lösung wirkt meist noch stark genug an der Nasenschleimhaut, aber nur noch sehr gering im übrigen Körper. Auch ein Erkältungsbad kann schon helfen. Eine weitere Alternative: Inhalierstifte oder Nasensalben mit Menthol und Kiefernnadel-Öl als aktiven Wirkstoffen. Vor allem Menthol wirkt leicht betäubend, kühlend und abschwellend.

49 Wie gefährlich ist für Schwangere eine Röntgenaufnahme beim Zahnarzt?

Bei der üblichen Röntgendiagnostik (z.B. bei einer Lungenaufnahme) fallen Strahlendosen von deutlich unter 10 mGy an, was der natürlichen kosmischen Strahlung entspricht. Bei Röntgenaufnahmen im Kieferbereich sind diese sogar noch niedriger. Unter Einhaltung der üblichen Sicherheitsvorkehrungen (Bleischürze über dem Beckenbereich) ist die Streustrahlung zur Gebärmutter auf jeden Fall vernachlässigbar klein. Wenn ein medizinischer Grund vorliegt, kann eine Röntgenuntersuchung durchgeführt werden. Ansonsten sollte die Untersuchung aber aus grundsätzlichen Erwägungen auf die Zeit nach der Geburt verschoben werden.

50 Sind Fieberbläschen gefährlich, wenn man schwanger ist?

Nein. Fieberbläschen (Herpes labialis) sind im Gegensatz zum Genitalherpes in der Schwangerschaft harmlos. Aber nach der Geburt kann das Herpesvirus durch Tröpfcheninfektion (z.B. Husten, Niesen) oder Schmierinfektion (z.B. Kontakt der Finger mit dem Bläscheninhalt und Verbreitung) auf das Neugeborene übertragen werden. Weil sein Immunsystem noch sehr unreif ist, kann das gefährlich werden. Häufiges Händewaschen und ein Mundschutz beim Schmusen und Stillen ist dann empfehlenswert, bis die Bläschen abgeheilt sind. Aciclovir-haltige Lippensalbe (z.B. Acyclovir, Zovirax) dürfen Sie auch in der Schwangerschaft anwenden, wenn Sie einen Schub von Lippenherpes haben. Natürliche Alternativen, die in vielen Fällen auch sehr gut wirken, sind Melissenextrakt und Teebaumöl.

51 Ist eine Gürtelrose in der Schwangerschaft gefährlich?

Gürtelrose (Herpes Zoster) nennt man die Zweitinfektion mit dem Windpockenvirus (Varizellen-Virus). Eine Gürtelrose kann man also nur bekommen, wenn man vorher schon Windpocken gehabt hat. Wenn Sie während der Schwangerschaft an einer Gürtelrose erkranken, ist das zwar sehr schmerzhaft und unangenehm für Sie, aber für Ihr Baby nicht gefährlich, weil die Viren nicht in das mütterliche Blut gelangen. Anders sieht das aus für Schwangere, die noch keine Windpocken hatten und deshalb gegen das Varizellen-Virus nicht immun sind. Sie können sich sowohl bei Gürtelrose- als auch bei Windpocken-Kranken anstecken. Eine Windpockeninfektion des ungeborenen Kindes ist leider nicht ganz ungefährlich.

52 Ist es wahr, dass eine Rötelninfektion dem Kind nur in den ersten 12 Schwangerschaftswochen schaden kann?

Im ersten Schwangerschaftsdrittel ist eine Ansteckung mit Röteln besonders gefährlich. Das Risiko für Fehlbildungen, z.B. des Herzens oder des Gehirns, ist dann wahrscheinlich höher als 50%. Nach der 12. Woche sinkt dieses Risiko auf unter 10%, und nach der 22. Woche ist es praktisch nicht mehr vorhanden. Das ungeborene Kind kann zwar so spät noch über den Mutterkuchen angesteckt werden, aber die Infektion verursacht dann keine angeborenen Schäden.

53 Schadet ständiges Husten meinem Baby? Und was ist mit Niesen oder Naseputzen?

Wenn Sie nicht zu vorzeitigen Wehen neigen, kann Husten, Niesen oder Naseputzen Ihrem Kind nicht schaden. Eine gesunde Schwangerschaft hält ein bisschen Druckerhöhung mit Anspannung der Bauchmuskeln ohne Weiteres aus. Sie dürfen aber zur Linderung der Beschwerden bei einer Erkältung auch pflanzliche Hustentropfen einnehmen. Ausserdem helfen Ihnen wahrscheinlich ein Schleimlöser mit dem Wirkstoff Acetylcystein und ein niedrig dosierter Schnupfenspray. Aber das wichtigste Hausmittel ist: viel, viel trinken!

Ernährung & Essgewohnheiten

54 Weshalb haben Schwangere oft Heisshunger auf Salziges wie Hering oder eingelegte Gurken?

Der Körper braucht in der Schwangerschaft besonders viel Salz, um den Blutdruck stabil zu halten. Deshalb sollten Schwangere durchaus ihren Gelüsten nachgeben und sich keinesfalls salzarm ernähren! Eine mild gesalzene Fleischbrühe zum Frühstück ist zwar ungewöhnlich, kann aber bei Schwindel und Übelkeit Wunder wirken. Durch das erhöhte Salzangebot wird außerdem der Durst optimiert. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr vergrößert das Blutvolumen. So werden alle Organe während der Schwangerschaft besser durchblutet.

55 Ich ernähre mich gesund, bewege mich ausreichend und trotzdem habe ich plötzlich in den letzten Wochen einige Kilos zugenommen. Das kann doch nicht so weitergehen!

Die Gewichtsentwicklung in der Schwangerschaft ist nicht immer gleichmäßig. Es gibt Zeiten mit mehr und weniger Zunahme. Keine Schwangerschaft ist genau wie die andere, und gerade beim Gewicht ist der Normalbereich recht weit! Als Faustregel sagt man, dass eine Schwangere pro Woche rund 300 bis 400 g oder pro Monat zwischen 1 und 1,5 kg zulegen soll. Bezogen auf die gesamte Schwangerschaft sind das dann normalerweise rund 10 bis15 kg. Andererseits können aber auch 20 kg Gewichtszunahme noch hingenommen werden. Voraussetzung: Es bestehen keine Wassereinlagerungen oder andere Komplikationen. Bei starker Gewichtszunahme wird Ihr Frauenarzt oder Ihre Frauenärztin besonders sorgfältig auf Alarmzeichen achten.

56 Ich habe manchmal richtige Heisshungerattacken und kann mich dann nicht mehr beherrschen. Wenn das so weitergeht, nehme ich bestimmt zu viel zu!

In der Schwangerschaft ist die Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse gesteigert. Es kommt deshalb immer wieder zu einem starken Abfall des Blutzuckerspiegels und damit zu Heisshungergefühlen. Dann muss es gleich eine ganze Tafel Schokolade oder ein großes Stück Sahnetorte sein. Die lassen den Blutzuckerspiegel schnell in die Höhe schießen nur leider hält dieses Gefühl nicht lange vor. Schnell ansteigende Blutzuckerspiegel sinken auch ebenso schnell wieder. Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, muss das Essverhalten verändert werden. Vollwertiges Getreidemüesli, mit Honig oder Vollrohrzucker gesüsste Früchte- und Müesliriegel, Trockenfrüchte und Nüsse können den Blutzucker für längere Zeit wirkungsvoll normalisieren. Extremen Hungeranfällen kann man durch täglich mehrere kleine, ausgewogene Mahlzeiten vorbeugen. Außerdem kommt es weniger leicht zu Übelkeit, die ja auch durch starke Blutzuckerschwankungen begünstigt wird.

57 Wie viele Tassen Kaffee sind in der Schwangerschaft noch erlaubt?

Koffein ist in Kaffee und in geringerem Ausmaß in Schwarztee und Cola und sogar in Schokolade enthalten. Es besitzt eine stimulierende Wirkung auf das zentrale Nervensystem, auf Herz, Kreislauf und Atmung und überwindet schnell die Plazentaschranke. In der Schwangerschaft finden sich deshalb im Blut Ihres Kindes ähnlich hohe Koffeinspiegel wie bei Ihnen selbst. Kinder von starken Kaffeetrinkerinnen kommen häufiger mit einem niedrigeren Geburtsgewicht zur Welt. Kaffee und schwarzer Tee entziehen außerdem dem mütterlichen Organismus Flüssigkeit, und schwarzer Tee verschlechtert die Aufnahme von Eisen und führt zu Verstopfung. Gegen zwei bis drei Tassen Kaffee (entspricht fünf Tassen Schwarztee oder zwei Litern Cola) über den Tag verteilt ist aber sicher nichts einzuwenden.

58 Welche Kalziumquellen gibt es für Schwangere, die Milcherzeugnissen nicht mögen?

Es gibt Gemüsearten, die relativ viel Kalzium enthalten: Broccoli, Grünkohl, Fenchel und Lauch, aber auch Vollkornbrot, Nüsse und Samen (Kerne). Spezielle kalziumreiche Mineralwässer können ebenfalls zur Bedarfsdeckung beitragen. Schließlich können Sie noch Kalzium aus Lutsch- oder Brausetabletten aufnehmen. Unbedingt sollten Sie auf die besonders gute Verwertbarkeit des aufgenommenen Kalziums achten. Einige Inhaltsstoffe pflanzlicher Lebensmittel bilden mit Kalzium schwer lösliche Komplexe, die der Körper nicht aufnehmen kann. Ein Beispiel ist die Oxalsäure, die in Spinat, Rhabarber, Kakao und schwarzem Tee vorkommt. Auch Phytin, das in Vollkorngetreide enthalten ist, kann die Nutzung des in der Nahrung enthaltenen Kalziums hemmen.

59 Wie viele Kalorien mehr braucht man eigentlich in der Schwangerschaft? Muss ich jetzt für zwei essen?

Zu diesem Thema haben fast alle Schwangeren falsche Vorstellungen. Der Kalorienbedarf erhöht sich erst ab dem vierten Monat und nur sehr langsam. Am Ende der Schwangerschaft werden nur ca. 200 Kalorien mehr pro Tag benötigt! Das entspricht etwa zwei Stück Obst. Heute weiß man: Für zwei zu essen, ist in der Schwangerschaft falsch und kommt dem Kind nicht zugute. Sinnvoll ist es dagegen, auf "leere" Kalorien in Fett, Süssigkeiten und hellem Brot zu verzichten und dafür viel Obst, Gemüse und Vollwertprodukte zu essen. Schwangere brauchen nämlich mehr Proteine, Vitamine und Mineralstoffe. Und die bekommt man nicht durch mehr, sondern durch hochwertigere Lebensmittel.

60 Sind Süssstoffe noch erlaubt, wenn man schwanger ist?

Süssstoffe sind in haushaltsüblichen Mengen grundsätzlich auch in der Schwangerschaft nicht schädlich. Sie gehören zu den Lebensmittelzusatzstoffen und müssen daher vor ihrer Verwendung auf ihre gesundheitliche Unbedenklichkeit geprüft werden. Durch ihre hohe Süsskraft bei gleichzeitiger Kalorienfreiheit bieten Süssstoffe einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem Haushaltszucker. Sie enthalten keine oder vernachlässigbar wenig Energie und keine Kohlenhydrate. Darüber hinaus haben Süssstoffe nachweislich keinen Einfluss auf den Appetit, verändern nach ihrem Verzehr weder Insulin- noch Blutzuckerspiegel und können von Mundbakterien nicht zu zahnschädigenden Säuren vergoren werden. Süssstoffe sind allerdings nicht gleichzusetzen mit Zuckeraustauschstoffen (z.B. Sorbit, Xylit, Mannit, Isomalt und Laktit). Diese sind kalorienhaltig und werden chemisch aus Kohlenhydraten hergestellt. Der Körper nimmt im Vergleich zum Zucker bei Zuckeraustauschstoffen nur einen Teil der Energie (Kalorien oder Joules) auf. Der Rest, welcher noch in den Dickdarm gelangt, vergärt dort und verursacht so bei Verzehr von größeren Mengen Blähungen. Dies kann zu Verdauungsproblemen und Durchfall führen.

61 Darf ich noch Erdbeeren essen in der Schwangerschaft? Oder fördere ich damit Allergien bei meinem Kind?

Erdbeeren und viele andere Nahrungsmittel können bei empfindlichen Menschen Allergien auslösen. Es ist aber bisher nicht bewiesen worden, dass zum Beispiel der Genuss von Erdbeeren in der Schwangerschaft zu einer späteren Erdbeerallergie beim Kind führt. Die einzige Ausnahme: Wenn die Schwangere selbst, der werdende Vater oder sogar beide Elternteile allergisch gegen ein bestimmtes Lebensmittel sind, sollte auch in der Schwangerschaft darauf verzichtet werden. Wenn Sie und Ihr Partner also nicht allergisch auf Erdbeeren sind, spricht nichts dagegen, sie zu genießen!

62 Stimmt es, dass vegetarische Ernährung in der Schwangerschaft gefährlich ist?

Eine vegetarische Diät, die nur auf Fleisch verzichtet, aber tierisches Eiweiß wie Eier, Milchprodukte, vielleicht sogar Fisch und einen Zusatz bestimmter Vitamine und Mineralstoffe (vor allem Eisen, Jod, Zink und Kalzium) einschließt, muss für das Ungeborene nicht nachteilig zu sein. Zumindest geht das aus verschiedenen Studien hervor. Der Eiweißgehalt in der vegetarischen Nahrung wird optimal genutzt, wenn pflanzliches und tierisches Eiweiß kombiniert werden, z.B. Kartoffeln und Eier, Kartoffeln und Milchprodukte (Butter oder Quark) und Getreide (Müesli) mit Milch. Veganerinnen gelten als Extremisten unter den Vegetariern und verzichten auf alle tierischen Produkte. Ihnen fehlt aber besonders in der Schwangerschaft vor allem das Vitamin B12, das nur in tierischen Lebensmitteln vorkommt. Auch die Versorgung mit Vitamin D ist problematisch, und wie allen Vegetariern fehlt die ausreichende Menge Eisen und Kalzium. Es muss mit einer verzögerten Entwicklung und der Gefahr von geistiger und körperlicher Schädigung des Kindes gerechnet werden. Veganische Ernährung ist deshalb in der Schwangerschaft aus medizinischer Sicht nicht zu empfehlen.

63 Ist es gut, wenn man in der Schwangerschaft möglichst salzarm isst?

Nein, das ist ein altes Vorurteil. Kochsalzarme Kost kann für Schwangere sogar gefährlich werden, weil dadurch das Durstgefühl und die wichtige zusätzliche Flüssigkeitsaufnahme gebremst werden. Außerdem enthält Kochsalz auch wichtige Mineralstoffe. Nicht einmal bei Wassereinlagerungen (Ödemen) oder einer Gestose (Präeklampsie) wirkt sich salzarme Ernährung auf Dauer positiv aus. Inzwischen wird von vielen Fachleuten sogar salzreiche Kost zur Behandlung einer Präeklampsie gefordert. Ernähren Sie sich also ganz normal, d.h. fettarm, aber eiweiss- und ballaststoffreich und nicht übertrieben, aber schmackhaft gesalzen.

Hygiene & präventive Maßnahmen

64 Was muss ich in der Schwangerschaft bei der Zahnpflege beachten?

Zusätzlich zu einer zahngesunden Ernährung ist für Schwangere das Zähneputzen nach jeder Mahlzeit besonders wichtig, mindestens dreimal täglich und mindestens zwei Minuten lang. Verwenden Sie dazu eine weiche Bürste mit abgerundeten Borsten und zusätzlich regelmäßig Zahnseide. Versuchen Sie, auf das süße Dessert zu verzichten, wenn Sie sich danach nicht gleich die Zähne putzen können. Eine Notlösung kann sein, nach dem Essen einen (zuckerfreien) Kaugummi zu kauen, denn dadurch wird die Speichelproduktion angeregt, und die Zähne werden etwas gereinigt. Fluoridiertes Speisesalz und fluoridhaltige Zahnpasta, -spülung und -gel sind eine gute Vorsorge gegen Karies. Sie können auch täglich eine Fluortablette (1 Milligramm) einnehmen: Damit schützen Sie nicht nur Ihre eigenen Zähne, sondern auch die Ihres ungeborenen Kindes! Gute Fluorquellen sind außerdemfluoridreiche Mineralwässer. Manche Schwangere leiden unter starker Übelkeit und müssen schon beim Anblick einer Zahnbürste erbrechen. Vor allem bei Berührung der Backenzähne wird leicht der Brechreiz ausgelöst. Putzen Sie am besten erst dann die Zähne, wenn Sie schon eine Kleinigkeit gegessen haben. Verwenden Sie eine weiche Kinderzahnbürste oder sogar Ihre Finger mit wenig Zahnpasta darauf. Eine vorübergehende Notlösung kann auch sein, nur eine desinfizierende Mundspülung (z.B. Chlorhexidin) zu benutzen. Wenn Sie erbrochen haben, warten Sie eine halbe Stunde mit dem Zähneputzen und spülen Sie zunächst nur gründlich mit Wasser. Der durch die Magensäure angegriffene Schmelz wird sonst durch die Zahnbürste noch weiter geschädigt.

65 Wird eine Listeriose nur durch Rohmilchkäse übertragen?

Solange Milcherzeugnisse nicht pasteurisiert (wärmebehandelt) sind, können sie gefährliche Erreger enthalten, z.B. Listeriose-Bakterien. Weil diese das Ungeborene schädigen können, sollten Schwangere auf Rohmilchprodukte verzichten, es sei denn, der Käse wird gekocht oder zum Überbacken verwendet. Listerien vermehren sich aber auch in Produkten, die mit rohem Fleisch und Geflügel hergestellt wurden, z.B. Hackfleisch, geräucherte Rohwurstwaren und Fleischpasteten. Nicht nur wegen der Toxoplasmosegefahr sollten Sie deshalb Fleisch immer gut durchbraten. Auch Speisen mit rohem, mariniertem (eingelegtem) oder geräuchertem Fisch (Sushi etc.), Feinkostsalate und abgepackte Gemüse wie frische Salate, Keime und Sprossen können Listerien enthalten.

66 Woher weiß ich, ob ich eine Listeriose gehabt habe? Bin ich dann immun?

Die Infektion mit Listerien kann leider auch ganz ohne Krankheitssymptome verlaufen. In den meisten Fällen kommt es aber zu erkältungsähnlichen Symptomen mit Fieber und Muskelschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden oder Kopfschmerzen und Schwindel. Wenn Sie solche Beschwerden haben, sollten Sie sich untersuchen lassen. Mit einem einfachen Bluttest kann eine frische Infektion ausgeschlossen werden. Falls eine Listeriose nachgewiesen wird, kann in den meisten Fällen mit einer Antibiotika-Therapie die Übertragung auf das ungeborene Kind verhindert werden. Die Listeriose-Erreger sind Bakterien, und gegen bakterielle Erkrankungen gibt es keine Immunität. Selbst wenn Sie schon einmal Listeriose gehabt haben, können Sie sich immer wieder anstecken.

67 Sollte man als Schwangere wegen der Salmonellengefahr nicht besser ganz auf Eier verzichten?

Eier sind grundsätzlich ein wertvoller Ernährungsbestandteil gerade in der Schwangerschaft und sollten im Speiseplan nicht fehlen. Nicht die Hühnereier selbst sind ein Salmonellen-Risiko, sondern Gerichte, die aus nicht ganz frischen rohen Eiern zubereitet und zu lange und nicht ausreichend kühl gelagert wurden. Auch weich gekochte Eier, Rühr- oder Spiegeleier sind nicht ungefährlich, weil das Eigelb nicht ganz durchgegart wird. Nach Eiern ist tiefgekühltes Geflügel die zweithäufigste Salmonellenquelle. Das Fleisch sollte deshalb immer von anderen Lebensmitteln getrennt aufgetaut und das Auftauwasser weggeschüttet werden. Das Salmonellenrisiko kann aber deutlich verringert werden, wenn frische Eier verwendet und die Speisen sofort gekühlt und innerhalb weniger Stunden verzehrt werden. Ein hart gekochtes Ei, das vor dem Kochen im Kühlschrank gelagert wurde und nicht älter als 14 Tage ist, kommt als Infektionsquelle praktisch nicht in Frage. Allerdings ist es für Schwangere eine gute Idee, auf hausgemachte Mayonnaise, Remoulade und Sauce Hollandaise, Bayerische Creme, Mousse au chocolat, Tiramisu und Zabaione zu verzichten oder diese durch industrielle Fertigprodukte zu ersetzen.

68 Ich bin toxoplasmosenegativ. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich mich mit Toxoplasmose anstecke? Und wie merke ich das?

Die Symptome der Toxoplasmose sind in den meisten Fällen so leicht und unspezifisch, dass man sie für einen leichten Anflug von Grippe hält. Deshalb kann man ohne Bestimmung des Antikörpertiters nicht wissen, ob man schon einmal eine Toxoplasmose durchgemacht hat und immun ist. Bei einer frischen Infektion haben die IgM-Antikörper etwa zwei Wochen später ihren höchsten Stand erreicht. Etwa 50% der Bevölkerung haben (meist unbemerkt) schon eine Toxoplasmose gehabt und sind immun dagegen. Trotzdem infiziert sich immerhin eine von hundert Schwangeren zum ersten Mal. Die Infektion geschieht meist über rohes oder nicht genügend durchgebratenes Fleisch, seltener über andere Lebensmittel und nur noch in wenigen Fällen über Tiere (vor allem Katzen bzw. deren Ausscheidungen). Über den Mutterkuchen kann die Toxoplasmose auf das ungeborene Kind übertragen werden. Dies ist umso wahrscheinlicher, je später die werdende Mutter erkrankt. In der Frühschwangerschaft ist die Plazenta noch relativ undurchlässig für die Parasiten, außerdem ist die Inkubationszeit recht lang. Kommt es zu einer Infektion, die nicht behandelt wird, sind die Auswirkungen auf das Ungeborene sehr schwer, vor allem auf das Gehirn und die Augen. Dagegen führt eine Infektion nach der 32. SSW praktisch nicht mehr zu kindlichen Schäden, die nicht erfolgreich behandelt werden könnten.

69 Ich esse mein Steak jetzt immer gut durchgebraten. Aber was ist mit rohem oder geräuchertem Fleisch in Wurstwaren besteht da auch ein Toxoplasmoserisiko?

Ja, Salami und geräucherter Schinken, aber auch Wurstwaren wie z.B. Mett-und Teewurst werden zumindest teilweise aus rohem Fleisch hergestellt und können deshalb die Zysten des Toxoplasmose-Erregers übertragen. Trockenfleisch oder Bündnerfleisch gilt als weniger bedenklich, aber auch nicht als ungefährlich. Das höchste Risiko besteht allerdings bei rohem Hackfleisch (Beefsteak Tartar) und Carpaccio! Toxoplasmose-Erreger bzw. ihre Zysten werden nur durch Kochen, Durchbraten oder Tiefgefrieren unschädlich gemacht. Es gibt übrigens bezüglich Toxoplasmose mehr und weniger gefährliche Fleischsorten. Fleisch vom Schaf (Lamm) und von der Ziege ist am häufigsten infiziert. Fleisch vom Schwein, Kaninchen, Rind und Pferd ist weniger belastet. Geflügel ist diesbezüglich die sicherste Fleischsorte. Fisch kommt als Toxoplasmose-Überträger kaum in Frage in rohem Fisch können aber Listerien stecken.

70 Müssen sich Schwangere vor Zecken besonders schützen?

Zecken können die FSME (Frühsommer-Meningo-Enzephalitis) übertragen. Vor dieser Virus-Infektion kann man sich durch Impfung schützen. Die FSME-Impfung ist auch in der Schwangerschaft erlaubt. Bei Zeckenbiss in einem Risikogebiet sollten Ungeimpfte innerhalb von drei Tagen passiv mit einem Immunglobulin immunisiert werden. Zecken können andererseits aber auch die bakterienähnlichen Borrelien übertragen, und die Impfung gegen FSME schützt nicht vor einer Borreliose. Es gibt einige wenige Fallberichte über angeborene kindliche Fehlbildungen bzw. Totgeburten nach einer mütterlichen Borrelieninfektion (Borreliose) in der Schwangerschaft. Die Zahlen sind zwar zu klein, um einen sicheren Zusammenhang festzustellen, aber der Verdacht liegt nahe, dass die Infektion in der Schwangerschaft nicht ungefährlich ist. Bei Verdacht auf eine Infektion sollte sofort Penicillin oder bei Penicillinallergie Erythromycin verabreicht werden. Der Erreger kann durch Antikörperbestimmungen im Nabelschnurblut nachgewiesen werden. So kann man sehen, ob das Ungeborene wirklich angesteckt worden ist. Insgesamt ist es ratsam, sich im Sommer durch entsprechende Kleidung besonders gut zu schützen oder den Aufenthalt in einem Zeckengebiet zu meiden. In der Schweiz ist das vor allem das Rheintal.

71 Wie kann ich mich vor Scheideninfektionen schützen?

Aufsteigende Infektionen von der Harnröhre oder der Scheide sind die häufigsten Ursachen für vorzeitige Wehen und Frühgeburten. Und leider ist die Scheide durch die hormonellen Veränderungen in der Schwangerschaft sehr viel infektionsanfälliger. Scheidenspülungen, Seife, Intimspray, Gel usw. sind in der Schwangerschaft tabu, außer Sie sind ärztlich verordnet worden. Übertriebene Hygiene zerstört das natürliche Milieu und fördert deshalb Scheideninfektionen! Tragen Sie möglichst keine eng anliegende Kleidung oder Slipeinlagen mit Kunststoff-Folie. Am besten eignet sich Wäsche aus Naturfasern, z.B. Baumwolle. Eine gesunde Ernährung stärkt Ihr körpereigenes Abwehrsystem. Dazu gehören reichlich Milch (keine Rohmilch) und Milchprodukte, Vollkornerzeugnisse, Obst, Gemüse, Kartoffeln, mageres Fleisch, Fisch und hochwertige Fette. Auch wer seinen Zuckerkonsum reduziert, senkt das Risiko für Scheidenentzündungen.